neukölln, was nun?

butterfly
Uneinigkeit herrscht an der Front der Nord-Neuköllner-Anti-Gentrifizierungsgegner: Sind bei den einen Studenten der Indikator schlechthin für Gentrification, zählen bei den anderen selbige schon zu den „traditionellen“ Kiezbewohnern (Heitmeyer würde hier von Etbaliertenvorrechten sprechen) . Während erstere zwar fesstellen dass es “ bisher kaum Daten über Mietsteigerungen oder Verdrängung von ansässiger Bevölkerung in Neukölln gibt und das vielleicht auch bisher kein zu verallgemeinernder Prozess ist“ und trotzdem gegen etwas protestieren, von dessen Existenz sie nicht mal überzeugt sind, sind letztere fest von „rasanten“ Mietsteigerungen und „flächendeckender Verdrängung“ überzeugt. Die einen sehen sich von Carlofts bedroht die anderen davon, dass man auf der Rütlischule bald Abitur machen kann. Meine Kommilitonen meinen übrigens, Neukölln sei viel zu gefährlich. Butterflymesser statt Demos!

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gegen die romantische verklärung…

open-air_elsenbruecke

des sommers im allgemeinen und der open-air-saison im speziellen….(lustig wars trotzdem)

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moralisches dilemma

was tun, wenn vorbildlich knapp vor sonnenaufgang nach hause gekommen, und die party der nachbarn die schlafengehpläne sabotiert? am liebsten möchte man die polizei rufen. aber das ist ein politisch-moralisches NoGo und so hofft man darauf, dass die anderen nachbarn endlich mal die bullen rufen, um als trittbrettfahrer endlich schlafen zu können. Aber während ich in Friedrichshain Zeitzeugin hunderter Straßenschlachten und beendeter Partys aufgrund von Anwohnerbeschwerden wurde, scheint das in Neukölln nicht in Mode. Alternativen gibt es nicht, Infokette scheidet aus, denn statt Landser läuft Bumm-Bumm und Kontakte zur organisierten Kriminalität im Kiez bestehen auch nicht. Hingehen und klingeln geht ja wohl gar nicht, da macht man sich ja zum affen, vorausgesetzt das Klingeln wird überhaupt gehört. Die Idee mit 110-anrufen scheint verführerisch, mit einem Anruf die Ruhe im Block herstellen zu können, das hat etwas von Macht, klingt nach Mafia-Film- und zeugt doch auch von sozialer Verantwortung, nicht?
Aber Anrufen geht ja wirklich gar nicht, da muss man dann seine Daten hinterlassen, sowas ist nie gut, und wenn man lügt wird man erwischt, auch schlecht. Und hinterher halten einen Gewissensbisse und Selbstzweifel von der Nachtruhe ab. Ein anonymes online-Formularwäre jetzt gut, wobei ich das generell ja nicht gutheiße, aber für heute…..Und wie geht man hinterher mit der Selbstscham um, das kann man ja niemanden erzählen, ohne auch das letzte bisschen Credibility zuverlieren, damit kann man grade noch bei den Eltern auf Resonanz stoßen, die einen schon immer vor der Großstadt gewarnt haben. Und irgendwie ist es auch mies, Leuten die Bereitschaftspolizei auf den Hals zu hetzten, wobei- dann haben die Partygäste wenigstens was erlebt. jaja, keine lösung und schlafen kann ich auch nicht.

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arbeiten bei dr. house

als passionierte house-kuckerin bot mir mein job auf dem medizinerkongress das, was sonst nur fussballprofis vorbehalten ist: hobby und beruf miteinander zu verbinden. mein plan, mir einen reichen arzt zu angeln, wurde leider dadurch sabotiert, dass ich gezwungen wurde ein xxxl-tshirt zu tragen, in dem ich ziemlich walrossartig aussah. mehr aufmerksamkeit erhielt jener blonder jüngling, der halb-nackig auf einer liege als modellpatient für ein ultraschallgerät diente, und den ganzen tag von ärztInnen bekuckt, beschleimt und begrabbelt wurde. trotz des kongressmottos gab es wie befürchtet keine anästhetika als give-aways, sondern nur massig schokolade und trinknahrung mit 1600 kcal/liter, da kann coke zero einpacken. beim nächsten kongress gibt es dann hoffentlich appetitzügler.
der sonntägliche open-air vergleich bewies: prenzlauer berg viele langweilig-schöne leute, die gelamgweilt zu langweilem minimal wippen, dagegen elsenbrücke: authentischer kottistyle, sowohl was location als auch publikum betrifft, auch das Ende der Party wurde stilgerecht von der Polizei herbeigeführt.

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“ Ungeachtet dessen waren die Deutschen bei den Verbündeten wegen ihrer Biervorräte gern gesehen.“

Untersuchungsausschuss über das KSK in Afghanistan. (Quelle: SZ: Deutsche Elitesoldaten: Langeweile in 4000 Metern Höhe)

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Antifa, Bürgernah, Schallala

Die ALB und andere bringen eine Zeitung für Brandenburg heraus, in der das „Problem des Neofaschismus sehr einfach [erklärt wird]“. Schlauer werden die BrandenburgerInnen durch die Lektüre sicher nicht: Nazis sind „Lügner, Betrüger, Schläger, Abzocker und Kriminelle.“Sind das die BrandenburgerInnen, die in diesen Kategorien vermeintlich denken, oder die Antifa? Weitergehts: Die Nazis fordern „Jeder Dritte soll weg“. Und dass, obwohl Brandenburg eh schon alle nicht-unterschichtler davon laufen. Ein wenig Geschichtsunterricht gibts aber auch noch: Im 19.Jahrhundert sind BrandenburgerInnen in die USA eingewandert und die Amis fühlen sich dennoch nicht überfremdet.Und:Leonardo Di Caprio ist ein Volksgenosse.
Nebenbei lernt der Hartz4-Empfänger aber auch, dass es ihm zwar beschissen geht, anderen- den Flüchtlingen- aber noch mieser. Das tröstet. Am schönsten ist aber Seite 6, „Große Klappe und nichts dahinter:NPD und DVU brechen reihenweise ihre Wahlversprechen“. Wie schade. Für diejenigen, die sich nicht von der brillianten Argumentation haben überzeugen lassen und immer noch gerne rechtswählen würden? Früher war eben alles besser.

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schon wieder gentrification…

Gentrification war lange die Domäne der StadtsoziologInnen und wurde dann von HausbesetzerInnen aufgegriffen um nicht nur die eigenen Projekte und den sog. eigenen Kiez sondern auch die Müllberge auf dem Hof zu verteidigen sowie alle Vorschläge, hauseigene Kneipen gemütlicher zu machen mit demVerweis auf das mahnende Beispiel S.-D.-Straße zu sabotieren. Manch stöckelschuhtragende Kieztouristin liess sich aber weder von Hunden noch Ratten davon abhalten, selbst schwerzugängliche Bars zu besuchen (R84-R.I.P). Die Strategie Berlin bleibt dreckig & laut war gentrificationtechnisch gesehen wenig erfolgreich, sorgte aber durch die Polizeieinsätze für actionreiche Abendunterhaltung.
Nach fünf Folgen über SozialesElend_Ausländer_Kriminalität in Nordneukölln, hat Spiegel-TV festgestellt, dass die Anwesenheit von Transen im sonst „muslimisch geprägten“ Kiez ein Anzeichen für Aufwertung sei.
Jetzt widmet sich auch die Jungle World dem leidigen Nordneukölln-Thema, „Infantilisierte“ nerven Migranten und Harz4-Empfänger mit Partylärm und tragen Neukölln T-Shirts, die nur der etablierten Kiezjugend vorbehalten sind. Ohne einen Kommentar zur politischen Ökonomie des Wohnungsmarkts wird die „Pioniertheore“ übernommen und mit merkwürdigen Ausführungen zum Zusammenhang von Gentrification und S-Bahnlinien ausgeschmückt: Wir lernen: Moabit ist im kommen. Immerhin wäre dann nicht die Linke schuld an der Misere, die sich dort bestenfalls zu Knastdemos aufhält. Da hätte der Wedding schon bessere Chancen, auch wenn bislang die Versuche von Stadtmagazinen und QM mit langen Nächten des Döners den Bezirk zum neuen In-Kiez zu hypen gescheitert sind.

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Arbeitswelten

In letzter Zeit verdiene ich mein Geld damit, dass ich die Azubis und Azubileiter einer internationalen Discounterkette mit den billigsten Hausmarke-Alkoholika abfülle. In intoxierten Zustand werden diesen dann auf den Unternehmensnamen zugeschnittene Tracks und Visuals vorgespielt zu denen sie dann mitgrölen, knutschen, saufen, sich in den Armen liegen und irgendwie gräbt sich dann die Corporate Identity so tief ins Unterbewusstsein, dass sie selbst den Filmriss übersteht. Der Exzess ist natürlich streng aber kaum merkbar reguliert, so wie es der engmaschigen Mitarbeiterführung, für welche das Unternehmen bekannt ist, entspricht. So wurde das Gelände sorgfältig durch Sicherheitskräfte abgeriegelt, damit niemand sich vorzeitig von der Party entferen konnte. Ob die stattgefundenen Peinlichkeiten und Ausfälle gewollt von der Unternehmungsleitung provoziert wurden, um entweder die Zeugung von Nachwuchs anzuregen oder die Mitarbeiter auf Lebenszeit erpressbar zu machen, bleibt reine Spekulation.

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Hindu-Tempel & Gentrificationdiskurs

Die Auseinandersetzung um den Hindu-Tempel in Neukölln weisst einige Parallelen zu den gängigen Gentrifizierungsdiskursen auf und ist von beiden Seiten (Bezirk und Rechte) rassistisch gefärbt. Multi-kulti-ist-gescheitert-Bürgermeister Heinz Buschkowsky votiert für den Tempel mit der Begründung, dass es sich bei den Hindus um „Leistungsträger“ und „Einser-Abiturienten“ handele (BILD), die nicht nur ein Gegengewicht zu den Sozialhilfeempfängern und Arbeitslosen im Bezirk sondern auch zu den „teilweise ausgeprägten Hegemonieansprüchen muslimischer Einwanderer“(taz) bilden. In der Stadtsoziologie nennt man das „soziale Durchmischung“. Darüber hinaus verspricht sich Buschkowsky vom Tempel eine Touri-Attraktion und eine Image-Aufwertung des Stadtteils (taz).Buschkowsky hofft also auf Stadtteilaufwertung und eine deutsch-hindu-Koalition gegen muslimische Migranten. Mit etwas weniger workungclass-bashing hätte er mit dem zweiten Vorschlag auch bei der NPD landen können.
Die NPD greift in ihrem Aufruf weniger auf Rüttgers (deutsche) Kinder -statt- Inder-Vorlage zurück, sondern bedient sich Fragmenten der Gentrificationgegner, mit dem Unterschied, dass mit „einheimisch“ nicht nur working class sondern auch deutschstämmig gemeint ist. Die NPD appelliert an diffuse Verdrängungsängste, in dem 8,5 zeiligen Aufruf geht es dreimal um „optische Veränderungen“ die aus zu erfindenden Gründen nicht hingenommen werden können („Schon bald wird der ehemalige Arbeiterbezirk nicht mehr wiederzuerkennen sein“) und prophezeit den „Austausch der heimischen Bevölkerung“durch IT-Inder mit Streberkindern.
(jaja, alles etwas krude)

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Der schönste Moment bei der Arbeit ist…

wenn die Seminarteilnehmer das Haus verlassen, ein Gefühl von Befreiung den Körper durchflutet und nur noch eine süsslich-schwere Nebelwolke aus Haarspray, Deo und Parfum auf der Damentoilette an das Kreischen und Quietschen in unangenehmen Tonlagen erinnert, wie es nur Horden von 15-jährigen Mädchen zustande bringen. Die Sache mit dem geldgefüllten Briefumschlag ist natürlich auch nicht zu vernachlässigen, auch wenn ein ganzer Koffer voll mit Banknoten stilvoller und angemessener wäre.

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