Archiv der Kategorie 'Allgemein'

daily terror

Ich wohne ja in einem nahezu arisierten Wohnhaus in einem Kiez, wo die Mittelschichten sich gerne treffen um darüber zu diskutieren, ob hier nun gentrifiziert wird oder nicht und was man dagegen tun kann (den Bierpreis untenhalten oder so). Mein Wohnhaus ist nicht nur deutschen- sonder auch kleinfamilienlastig und diese tun sich regelmäßig zusammen für gesellschaftlich anerkannte und vom QM hoch geschätzte Nachbarschaftsaktionen mit schlechten Bands, Kinderschminkstand und Cocktailbar in der Wohnung über meinem Zimmer. Will ich der Lärmbelästigung entfliehen, muss ich nachmittags Kontakte mit schon angeschickerten-euphorischen Eltern und nachts mit aus anderen Bezirken hierher verirrten ertragen, wobei ich mich aufgrund meines mangelnden Engagements immer ganz schlecht fühle. Zudem verliert Kleinfamilienabneigung selbst in der radikalen Linken an Akzeptanz, so wird für „Träume brauchen Freiräume“ mit „Kinder- und familienfreundlichen Protestaktionen“ geworben.

digitaler Fingerabruck ?!

Über die Crisco-Connection zum Open Tace Browser des AK Vorratsdatenspeicherung gelangt. Dort kann man wie gewohnt ein bisschen rumsurfen und hinterher sein Profil auswerten und sich von der Überwachungstechnologie schocken lassen. Überzeugt hat mich das Ergebnis aber nicht: Angeklickt hatte ich ein paar Blogs, Wetter.de und- nee, das behalt ich mal für mich, was ich sonst noch so durchsurfe. Heraus kam lediglich mein Wohnort, die Vermutung ich bin ein Nachtmensch (weil ich kurz vorm ins Bett gehen surfe? ) und ansonsten lege ich „viel Wert auf Äusserlichkeiten“ ( da meinte meine Mutter doch immer „ein wenig Eitelkeit könnte Dir nicht schaden“) und bevorzuge „seichte, leicht zu konsumierende Unterhaltungsangebote“. Dabei war ich sogar auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung!

Regenwetter ist gut so

Das (hoffentlich) kurze Sommer-Time-Out befreit einen endlich von dem Gefühl, alles andere als im/an/auf Park/Spree/Kanal/Balkon zu sitzen und Bier zu trinken sei ein Verbrechen, was spätestens mit dem Anbruch des gefühlt 8-monatigen Berliner Winters besraft wird. Man kann Sonntags schamlos studenlang sinnlos im Internet surfen, ohne gleichzeitig zehn der immergleichen Open-Air-Partys zu verpassen. Keine Schokolade-/ Biermixgetränk-/ Duschgel-Summer Edition mit Mojito-Lemon-Fresh-Fruity-Flavour . Trainingshose zu Hause statt sich den Blicken tausender Straßencafe-Besucher oder den Schreien noch mehr EM-Public-Viewer auszusetzen. Richtig Spass macht das aber doch nicht, weil ich mir vorgenommen habe, statt Gewalt-Videos und Soaps anzuschauen, doch mal eines der 100 ausstehenden Referate und Hausarbeiten anzugehen. In diesem Sinne ungeteilte Solidarität mit den Matheschwindlern.

Lecker- Iced Coffee

Aroma Iced CoffeeLange habe ich nach meinem israelischen Lieblingsgetränk unter den alkoholfreien gesucht, diverse Coffeeshop und Fastfoodketten abgeklappert, doch das einzige was mir als Iced Coffee angeboten wurde, war Filterkaffee mit Milch, Zucker und ganzen Eiswürfeln (statt Eiswürfelpürree). Das kann selbst meine Mutter besser, die macht da immerhin noch Vanilleeis rein. Und heute fand ich mich in der Mensa auf dem Weg zur Vorlesung tatsächlich vor so einem Ding wieder, das versprach Jacobs Frozen Cappuccino auszuspucken. Das klingt nicht appetitlich, lässt an silberne Beutel mit einer Mischung aus Zucker, Pflanzenfett, Kaffee und E-Nummern denken, aber optisch war das dann schon sehr vielversprechend. Das Produkt erzielte dann doch nicht den erhofften Lustgewinn, irgwendwie konnte es geschmacklich nicht mit dem Original von Aroma mithalten, vor allem aber stimmte das Setting nicht- kein Strand und keine schönen Menschen. Aber: Immerhin ein Anfang und man könnte das sicher noch zu einer alkoholischen Variante für Sonntagnachmittags erweitern.

Vorsicht beim Grillen!

Wer heute grillen gehen will, sollte aufpassen. Denn: die Polizei hat Mausefallen aufgestellt, um Feuermädchen und Chaos-Mädchen mittels „präparierter Fahrzeuge“ zu fangen. Tatsächlich begegneten mir auf dem Heimweg eines netten Abends ein Rudel schwarzgekleideter Männer, die sich um ein Polizeiauto versammelt hatten und augenscheinlich nichts gutes im Sinn hatten. Scheint die Boulevardpresse neben dem üblichen „Chaoten“-Bashing, besonders bestürzt darüber, dass zwei Frauen als Tatverdächtige festgenommen wurden, meint Körting im RBB nur trocken:“Ich glaube in dem Bereich gibt es keine Unterschiede mehr zwischen Männern und Frauen was die Bereitschaft betrifft sich an Gewalttaten zu beteiligen. Auch Frauen können genauso radikal werden wie Männer, wie wir das leider auch im islamistischen Bereich, im terroristischen Bereich sehen .“ Zumindest dort scheint das Gender-Mainstreaming angekommen zu sein.

So schnell kanns gehn-ugly kapitalismus

Montag Vorstellungsgespräch gehabt. Mittwochnachmittag die Zusage und das Ergebnis der Gehaltsverhandlungen die sich unschöner Weise im einstelligen Euro-Bereich bewegen mitgeteilt bekommen. Wegen krassem Gefühl das tapfer gegen Alkohol, Drogen und andere Versuchungen verteidigte Humankapital für einen Hungerlohn exploiten zu lassen einen Tag Bedenkzeit ausgehandelt. Drei Stunden versucht, mich mit dem Gedanken anzufreunden, ab Montag für die Tante zu arbeiten. Nach Hause gekommen, PC an, Email-Check: Absage. Auch gut.

die natur ist nicht schlecht nur voll mir hippies

Mein letztes Tel Aviv Wochenende habe ich mal nicht im Barzilay verbracht, sondern gesundheitsbewußt auf einem Frischluft-Event. Die Party war im Internet nicht auf den furchtbaren Trance-Goa-Foren angekündigt, sondern firmierte unter Freetekno. Das Hinkommen war recht aufregend, die Kommunikation mit der Hotline aufgrund des Dolmetschereinsatzes recht umständlich, letztlich wurden wir aber sehr gut betreut und gelangten gegen morgen an ein Waldstück an dem so 150 Leute tanzten. Musikalisch war das „Technodrome“ eher ein Worst-Trance-Terrordrom mit schlechter Anlage, dennoch aber sehr lustig, das Publikum äusserst non-konform. Wir lehnten das Angebot eines jungen Mannes, der zu Terror-Trance Luftgitarre spielte, uns einen Lift nach T.A. zu geben, ab und fuhren mit dem Sherut zurück. Die Aftershow-Parties, zu denen uns der Techno-Opa mitnehmen wollte, waren dann zu abschreckend mit tendenziell mäßiger Musik, ordentlichem Eintritt bzw. girls-free und 5×150kg Security davor. Das führte dann zu dem T.A.-Weekend-Syndrom, noch eigentlich in Tanzlaune das Taxi heim nehmen zu müssen.

Israels Drogenpolitik- Kiffen & Terrorismus

Anti-Drug-Poster
Drogenpolitik und Anti-Terror sind in Israel eng miteinander verknüpft. Hintergrund ist, dass der Drogenhandel weitgehend von der Hisbollah kontrolliert wird, die mit Unterstützung israelischer Schmuggler arbeiten. Der Drogenhandel und -konsum wird aber nicht nur deshalb bekämpft, weil sich die Hisbollah darüber finanziert, sondern auch weil befürchtet wird, dass die Hisbollah gezielt mit Drogen die israelische Gesellschaft schwächen wolle. Die gegenwärtigen Maßnahmen richten sich vor allem gegen KonsumentInnen weicher Drogen, sprich Kiffer. Nachdem die Verwicklung eines israelischen Unteroffizier in den Drogengeschäften aufgeflogen ist, haben Drogenrazzien bei der IDF zugenommen, um Verbindungen zur organisierten Kriminalität frühzeitig zu erkennen. Gefunden wurden in erster Linie „weiche“ Drogen. Diese Woche hat die israelische Anti-Drogenbehörde außerdem eine neue Anzeigenkampagne gestartet auf dem Hisbollah Führer Hassan Nasrallah über ein Glasbong abgebildet ist. Der Text lautet: „Hezbollah is clearly planning to flood Israel with narcotics. Narcotics pose a strategic threat to Israeli society. Whoever uses narcotics is giving a hand to the next terrorist attack.“ (Quelle:Haaretz)

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Tel Aviv Partying

Die erste Hürde beim Ausgehen ist das Hin-, Weiter- und Wegkommen. Weil Schabbat ja nichts mehr fährt, bleiben nur die Alternativen Auto, Taxi oder Bike. Die Israelis sind oft mit dem Auto unterwegs, vor allem wenn sie von weiter weg kommen, don‘t drink and drive wird nicht so eng gesehen. Nachdem bislang meine Unternehmungen daran scheiterten, dass ich mangels Orts- und Hebräischkenntnisse immer die falschen Busse erwischt habe und jenseits meines Stadtplans endete, habe ich nun beim Bike-Dealer neben an ein chices MTB erworben mit dem ich nun durch die Stadt cruisen kann. BarzliayclubFür das Ausgehen in Tel Aviv braucht man in erster Linie viel Geld. Zwar ist die Späti-Infrastruktur gut und preiswert, Eintritts- und Getränkepreise jedoch beachtlich, so dass man auf eine Umrechnung in Euro besser verzichten sollte. Partys gehen ähnlich spät los wie in Berlin, enden aber erstaunlich früh. Vor dem Clubbing kann man entweder in den zahlreichen Bars vorglühen, die oft auch eine kleinen Dancefloor haben oder durch das Gentrification-Viertel Florentin flanieren bzw. sich auf dem Rothschild Boulevard niederlassen, was billiger kommt. Besonders hip was elektronische Musik betrifft ist derzeit das Barzilay, eine Baracke etwas abseits der Flaniermeile. Daneben veranstalten Pacotek Partys mit erlesenen Gästen im Levontin 7 und anderswo. Partydroge No. 1 ist Vodka-Red Bull, und zwar in reichlichen Mengen, Partydroge No. 2 ist Hagigat, Kapseln mit einem pflanzlichen Amphetamin, die man am Kiosk kaufen kann. Trotz Energydrink und -pillen leeren sich die Clubs in den frühen Morgenstunden und gegen 6/7Uhr ist Schluss. Dann kann man noch zu einer „Aftershow“-Party gehen, allerdings haben diese nicht unbedingt den besten Ruf. Die eine, die ich besucht habe, war sehr nett, brechend voll mit ganz nettem Publikum und tanzbare Musik, lediglich die massive Security war unsymphatisch. Krass ist auch, dass es in den Tel Aviver Clubs ziemlich dunkel ist, so dass man lange erstmal blind durch die Menge stolpert, wenn man von draußen reinkommt. Besonders chic ist, dass man nach der Party direkt an den Strand gehen und sich im Mittelmeer abkühlen kann. Da es allerdings auf das Immunsystem geht, wenn man den einen Tag, wo man ausschlafen könnte, gar nicht schläft, steht jetzt erstmal ein Kururlaub am Roten Meer an. Leider verpasse ich deshalb die ganzen Purim-Partys, an denen man sich verkleidet und betrinkt.

Drei Tage wach (naja, fast)

Wenn eine halbtägige Reise sich unerwartet auf 50Stunden ausdehnt erweist sich die Entscheidung lieber durchmachen statt früh aufstehen als schlechte Wahl. Sonntag morgen losgeflogen, wetterbedingt woanders gelandet als geplant. Noch relativ gut gelaunt mit dem Bus zum nächsten Flughafen, dort ist die Hölle los: Stundenlang Schlange stehen, vordrängeln, Kaffee holen, Essen kaufen, Rauchen gehen und wenn ich zu meinen temporären Freunden zurückkomme, haben die in der Zwischenzeit gerade mal 15cm erkämpft. Das Gute ist: Der Kaffee ist billig und stark. Irgendwann, das Zeitgefühl ist längst verloren, die anfangs aggressiv bis hysterische Stimmung der Umherstehenden von bleierner Müdigkeit überlagert, einen Weiterflug bekommen. Nahezu euphorisch die Nacht nicht auf dem Flughafen verbringen zu müssen, eingecheckt und dann ernüchternd die Mitteilung auf der Anzeigetafel registriert, dass der Flug Verspätung hat und damit der Anschlussflug auf wackeligen Beinen steht. Nächster Flughafen, der Anschlussflug ist weg, es ist Mitten in der Nacht, die anderen
Fluggäste stürzen sich erbost auf den einzigen Angestellten, der schließlich die Polizei ruft. Ich mache mich auf die Suche nach meinem Gepäck, das Personal ist entweder abwesend oder schläft. Schließlich wird das Gepäckband angeworfen, doch meine Sachen bleiben verschwunden. Selbst eine Kletteraktion durch die Gepäckbandschleuse in den Airport-Backstage bleibt erfolglos. Am nächsten Morgen neuer Versuch am Ticketschalter, erneutes scheitern. Ich bekomme ein Hotelzimmer und bewege mich bis zum Abend keinen Zentimeter mehr. Um Mitternacht sitze ich dann tatsächlich im Flieger- Business Class, yeah!




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