Stories vom Älterwerden: Das erste Mal Afterworkparty

Mit Leuten feiern müssen, zu denen man keinen richtigen Draht hat, ist immer eine anstrengende Angelegenheit. Meistens besteht dazu auch kein Anlass- nur gegen Jahresende häufen sich dann die Weihnachtsfeiern von den ganzen Vergemeinschaftungen in denen man sich so befindet. Unentschuldigtes Fernbleiben zieht soziale Ächtung nach sich, gute Ausreden sind also gefragt. Bewährt hat sich hier der Verweis auf die Lohnarbeit und der/den Betriebsfeierlichkeit(en) [wer will schon mit Chefe kumpeln?] entzieht man sich am besten, indem man leider gerade dann Schicht hat, was einem, wenn man sein Bedauern mit größtmöglicher credibility rüberbringt auch noch krassen respect angesichts der zur Schau getragenen Aufopferungsbereitschaft einbringt. Ergreift man die Flucht nach vorn und nimmt an solch einem social gathering teil, hilft meist nur Alkoholkonsum, um die Lage zu entspannen und die Kommunikation zu fördern. Leider führt das Saufen dazu, dass ohnehin schon unangenehme Männer noch unangenehmer werden bzw. sich „in Primaten verwandeln“ [Zitat einer Kollegin].
Diesmal sind es meine neuerworbenen KomilitonInnen, die den gemeinsamen Besuch einer Afterwork-Veranstaltung eines Clubs vorschlagen, der es nicht auf meine To-Do-Liste geschaft hat. Als Relikt der Massenuniversität, in denen sich soziale Kontakte auf die Hand voll KumpelInnen aus dem ersten Semester beschränkte, die früher oder später ihr Studium schmissen, ist mir das studentische social networking fremd und es verunsichert mich stets, wenn sich Gelegenheitsbekanntschaften mit „wir sehn uns dann bei StudiVZ“ verabschieden. [als linke weiss ich natürlich, dass studi_vz böse ist, dennoch ziehe ich es in erwägung mir zu stalking wissenschaftlichen zwecken einen account zuzulegen]
Afterworkparty ist wohl das Gegenteil zum exzessiven Feiern. Spielen bei letzterem die Zeit und das Leben danach keine wesentliche Rolle und allein die Gewissheit, dass man den Montag irgendwie überleben wird, auch wenn es grausam sein wird, reicht aus, um das Gewissen zu besänftigen, gibt einem die Afterworkparty die Sicherheit, dass man früh genug aus dem Club rausgeschmissen wird, um den kommenden Arbeitstag in relativer Frische zu geniessen. Sie raubt einem damit jegliche Illusion, Teil des aufschweifenden Nachtlebens zu sein. [Natürlich kann man sich dem Arbeits_ethos auch rebellisch zu wehr setzen und sich bereits zu früher stunde abschiessen.] . Meine KomilitonInnen sind übrigens keine BWLer.

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1 Antwort auf „ Stories vom Älterwerden: Das erste Mal Afterworkparty


  1. 1 hoerm 10. November 2007 um 14:42 Uhr

    also ich denke wenn du dich auf afterwork parties rumdrückst kannste ja ruhig mal bescheid geben! endlich auchmal wieder tanzen gehen ohne das aus dem diskobesuch eine preworkparty wird!

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