Archiv für September 2007

Niederungen der Arbeitswelt

Die Zwänge der Kapitalismus führen einen manchmal an finstere Orte. Mich gestern zu einer Zeitarbeitsagentur, bei der ich mich als medizinische Tippse beworben hatte. Nachdem ich eine Ewigkeit im Flur gewartet hatte und den Streitereien zwischen Chef und Untergebenen gelauscht hatte wurde ich zu einem Test gebeten. Das war zwar nicht überraschend aber dennoch gemein, da ich nicht vorbereitet war. Sechs Staffeln Scrubs schauen reichten dann doch nicht aus, um ein Diktat mit medizinischen Fachbegriffen zu bestehen. Da ich mich nicht traute, mich klammheimlich davonzustehlen (schliesslich hatten die meine Kontaktdaten), gab ich mein bestes, während ein Hund zwischen meinen Beinen herumwuselte, was dem ganzen einen Hauch von Köpi-Flair verlieh. Herzrhythmusstörungen hatte ich schon mal gegoogelt, daher wusste ich, wie man Tachykardie schreibt, ansonsten versagte ich gnadenlos. Dann musste ich auch noch zum Chef, der bedauerte trotz meiner 1,5 Hochschulabschlüsse mir keinen Job anbieten zu können, mich aber damit tröstete, dass wenn ich jetzt fleissig lernen würde, könnte ich den Test in vier Wochen wiederholen. Deklassifizierung.

Mäc_Attäc

Ich gehörte langezeit zu den McDonalds_FeindInnen. Schon als ich im Kindergartenalter zu einer Kindergeburtstagsparty bei McDonalds war, war ich entsetzt über die dortigen Arbeitsbedingungen, als mir eine Mitarbeiterin erzählte, dass sie während der Arbeit nichts von den leckeren Sachen essen darf, weil man sie sonst rausschmeisst. Mit 12 wurde ich straighte Vegetarierin, politisierte mich langsam und übernahme die gängige verkürzte Kapitalismuskritik, was meine Mc-Abneigung vertiefte. Inzwischen ist das alles anders, vor allem wenn ich in Brandenburg unterwegs bin, freue ich mich über den vergleichsweise genießbaren Kaffee und das leckere Eis inmitten der zivilisatorischen Wildnis und weiss, dass man auch andere Sachen auf Demos kaputtmachen kann. Tragisch-komisch fand ich daher die Pressemitteilung der Polizei über junge Menschen, die beherzt die neue Kreuzberger-Filiale mit Kastanien attackierten, sich auch von dem Wachschutz nicht beirren liessen noch einen engaierten Versuch der Gefangenenbefreiung hinlegten, der leider scheiderte und zu guter Letzt auch noch ihre Drogen abgeben mussten…..
Wohl ein eher laues Wochenende.




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