La Famiglia

godfatherDie postmoderne (oder wars die postfordistische?) Gesellschaft ist ja bekanntlich gekennzeichnet von Individualisierung und sozialer Isolation durch das verschwinden der Groß- und später Kleinfamilien und der Auflösung der sozialen Netzwerke. Das zeigt sich heute bspw. daran, dass meine Mom mir kein Nikolaus-Päckchen gechickt hat, dafür hat mein Handy-Provider mir eine „I love you“MMS geschickt und mein Arbeitgeber grosszügig qualitativ minderwertige Schokoladen-Packs im Wert von ca.60Cent und 10.000Kcal verteilt. Gefreut hab ich mich über die Nachricht, dass ein neuer Mafiafilm von Scorsese ins Kino kommt. Nicht nur, dass ich auf Mafia-Filme stehe, dort spielen auch Leute mit, die ich noch aus der Bravo kenne (Remember Marky-Boy vom NKOTB?). good fellasDie Mafia vereint nämlich alles, was man sich so wünscht: Intakte Familien- bzw. Clanstrukturen, Loyalität untereinander, der Patriarch sorgt für das persönliche Wohlergehen und den beruflichen Erfolg und sobald einem Ungerechtigkeit erfährt, hält die Familie zu einem und beseitigt das Übel oder den Übeltäter. Im Gegensatz zur neoliberalen Ideologie und zunehmenden Individualisierung, in der sich jeder alleine durchschlagen muss und selbst verantwortlich für sein Glück ist, zählt hier der Zusammenhalt des Familienverbands und die unbestrittene Autoriät des Patriarchen. Viel schöner als in der Szene-Linken, wo alles so zerstritten ist, und die Diktatur des Plenums regiert. Ausserdem tragen die Familienmitglieder schicke Klamotten und glänzende Waffen und verfügen über Macht, Geld und Drogen.bzTröstlich ist, dass laut des neuesten Hetzartikels der BZ “ Wer den Staat nicht betrügt, ist selber Schuld!“ (klingt schon beinahe subversiv) zwar nicht jeder zum Familienoberhaupt eines berühmt-berüchtigten Clans aufsteigen kann, doch zumindest zum King oder Queen der Sozialhilfeempfänger kann man sich hocharbeiten.“Seitdem kann ich ein tolles Leben führen“, sagt Felix M. „Ich habe mir einen 7er BMW gekauft, trage Markenklamotten, fahre vier Mal im Jahr in den Urlaub und mache alle zwei Tage Party. Als ich noch kein Geld hatte, waren die Weiber nicht so scharf auf mich. Jetzt nehme ich fast jeden Abend eine mit nach Hause.“ Dem aufmerksamen Leser fällt allerdings sofort auf, dass die 345€ALG II gegenüber den 8000€ aus Schwarzarbeit nicht wirklich ins Gewicht fallen… Das bestätig die These, dass man ohne einen Patron, der einem einen lukrativen Job in der Halbwelt verschafft , nix geht.

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1 Antwort auf „La Famiglia“


  1. 1 stimme aus dem off 07. Dezember 2006 um 19:38 Uhr

    Vielleicht wär’s ja mal an der Zeit für ein matriarchalisches Mafiarevival? Ansonsten kommt man als Frau wohl nicht so gut bei weg, so von wegen konservativ und katholisch. Also: Kriche im Dorf lassen und lieber progessiv(er) revivaln. Postfordismus hat ja durchaus positive Elemente für die mal wer gekämpft hat (heute kaum vorstellbar).

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