Archiv für November 2006

Spätschicht

Spätschicht kann ganz lustig sein, weil dann die Streber- & Aufseher-KollegInnen weg sind, man nur noch zu zweit oder dritt rumhängt, sich Geschichten erzählen und gemeinsam über unmögliche Anrufer lachen kann. Je später der Abend desto unmöglicher die Anrufer. Heute ist aber ein ganz übler Abend, weil die Kolleginnen nicht erschienen sind und jetzt häng ich da ganz allein rum mit all den hysterischen Männern die mich voll jammern, weil ihre X-Box oder was auch immer noch nicht geliefert wurde. Ich hab mir jetzt immerhin einen virtuellen Boyfriend bei seventeen (viel besser als BRAVO) zugelegt. Er heisst Evan, sieht echt furchtbar aus, so dass ich auf sämtliche Interaktionen (Essen, Reden, Sex) verzichtet und ihn gleich abserviert habe. Virtuelle Dates sind übrigens total en vogue, gibts als Tamagotchi oder auch als Handy-Spiel - zunächst nur als Girlfriend später auch in der Boyversion und sogar als schwul/lesbisch geplant, sagt die Times. Neben diesen harmlosen Spielereien gibt es aber auch noch ganz eine ganz üble-sexistische Seite, wo Mann eine virtuelle (Sex-)Sklavin vorfindet, die die eingegebenen Befehle ausführt. Please Hack it down. Jetzt kommt gerade mein realer Kollege zur Nachtschicht, das heisst ich hab gleich Feierabend, juhu!!!

Viren überall

virusMit schlechtem Gewissen stelle ich fest, dass der Zeitraum zu meinem letzten Eintrag immer länger wird. Schuld daran ist – neben Zeitmangel- erstens das Ableben meines alten PCs, zweitens der Viren-Befall meines Körpers, gefolgt von drittens – dem meines neuen Notebooks und schliesslich viertens WG-Internetproblemen. Und nun sitze ich im PC-Pool der Uni, weil ich eigentlich zum Prüfungsamt wollte, um meine Existenz zu retten, die angesichts der anstehenden Exmatrikulation gefährdet ist. Dieses hat wie immer ausnahmsweise geschlossen und in der Uni lässt es sich echt nicht gut bloggen, weil das furchtbare Publikum und Aufseherpersonal das Wohlfühlen unmöglich macht. Deshalb verlasse ich besser ganz schnell diesen Ort des Schreckens und wünsch noch einen schönen Tag.

Wochenende…..

Freitag abend total k.o. vom Training heimgekommen, fast ohnmächtig vor Hunger und die Zehen schon ganz taub vor Kälte. Heizung aufgedreht (Zentralheizung rocks!), Füße dagegen gestemmt. Noch weggehn? Nur wenn mich jemand anruft und zu einer tollen Party mitnimmt. Es ruft niemand an. Ego gekränkt. Dann das Heimvideo-Programm der Mitbewohner gecheckt und mich für Desperate Housewives entschieden. Jedem Trend Jahre hinterher. Zum ersten Mal also Desperate Housewives gekuckt ( es gibt doch sicher irgendsoein Insider-Kürzel für den Serien-Titel?!), und war gar nicht so schlecht. Und das Hausfrauendasein ansich- gar nicht so übel….nur Kinder sollte man auf keinen Fall haben, die sind ganz schlimm. Und man sollte darauf achten, dass der Liebhaber volljährig ist, sonst hat man Stress mit dessen Mutter. Anschliessend hab ich eines der Nick Hornby Hörbücher, die ich mir aus der Bibliothek ausgeliehen hatte, eingelegt, „Mein Leben als Leser“. War leider ziemlich enttäuschend, ein endloses Droppin‘ von Autorennamen und Buchtiteln und ich kannte grade mal nen Bruchteil davon. Bei Track 5 fing ich an wegzudösen und als ich bei Track 14 wieder aufwachte, hörte sich das immer noch nicht aufregender an. Gegen 3Uhr wurde ich dann von einer SMS aus meinen Träumen gerissen, die mich zu einer samstagvormittäglichen Veranstaltung mobilisieren wollte. Ich gab die Nachricht brav weiter und ging wieder schlafen. Als ich Samstag wieder aufwache fühlen meine Arme sich an wie Pudding. Wenig später ruft meine Mutter an.
M: Guten Morgen, stör ich?
Ich: Nein [ich liege nicht neben einem attraktiven Mann im Bett, falls Du das meinst]
M:[Enttäuscht]
Ich:[fühl mich erbärmlich]
M: [beginnt ein Gespräch]Hat die Uni sich gemeldet?
Ich: Nein, wieso sollte sie?[Unverständnis]
M:[Erklärung]. Gehts Du noch arbeiten?
Ich:Ja.
M:Und was hast Du sonst so erlebt, was gibt es Neues?
Ich:[Überlege. Mit fällt nichts ein.] Ich arbeite grade viel. Stunden nachholen [fühl mich noch erbärmlicher]
M: Aha. Dann melde Dich doch bitte, wenn Du mehr zu erzählen hast.
……..
Nach dem 3. Kaffee fühle ich mit fit genug um eine kleine Runde joggen zu gehn. Ich setzte also den vierten Kaffee auf und zieh mich an. Ich muss allerdings nur einen Fuß aus der Wohnungstür setzen, um das Prasseln der Regentropfen zu hören und gebe meinen Plan erleichtert auf. Als ich mich auf den Weg zur Arbeit mache begegne ich meinem Mitbewohner, schwer von den Exzessen der letzten Nacht gezeichnet. Zuhause bleiben ist zwar nicht so aufregend, aber immerhin gesünder.

One-Night-Stand

qcMein Blog ähnelt in seinem Titel einer Mädchenzeitschrift namens „Chica“, deren LeserInnen verirren sich öfter mal hierher. Ich lese ja selbst wahnsinnig gerne solche Blätter, nun ja, meistens dann eher doch diejenigen, deren Zielgruppe ein wenig älter ist. Neulich hab ich dort sogar bei einem Preisausschreiben etwas gewonnen!!! Im Gegensatz zu meinem Blog liefert Chica wesentliche Informationen zum Thema Jungs-Abschleppen und den Risiken, die damit verbunden sind (nein – damit sind nicht nur STDs gemeint, sondern auch sowas alltägliches wie pinkeln). Gehn wir mal davon aus, wir haben den Boy unserer Träume auf dem Schulhof oder der Party aufgerissen und die Nacht bei ihm verbracht. qc2
“ Was tun, wenn du das erste Mal neben einem Jungen aufwachst? […] Seufzend drehst du dich zu ihm und kuschelst dich an seinen warmen Männerkörper und riechst glücklich an ihm. Aber – Mo-ment! Irgendwas ist hier ekelig, und du denkst, das kommt aus deinem Mund … Ähm. Stimmt. Gestern habt ihr beide ja einen DVD-Abend gemacht und dazu Mengen an Pizza und Knoblauchbroten verdrückt. Peinlich berührt kneifst du deine Lippen zusammen. Was nun? Wenn er aufwacht und dich küssen will? Der fällt in Ohnmacht – denkst du. Also schnell die Zähne putzen. Raus aus dem Bett und das Badezimmer suchen. Aber – Mo-ment, das geht ja nicht. Du bist nackt, deine Klamotten sind irgendwo verstreut – und wenn er gerade jetzt wach wird, sieht er deinen nackten Hintern durchs Zimmer flitzen. Auch nicht gut. Also erstmal tief durchatmen. Zuerst das Zimmer abchecken. Irgendwo muss da doch … Volltreffer! In der Ecke liegt sein Hemd! Zwar zerknittert, aber lang genug, um Problemzonen zu verstecken. Also schnell in die Ecke, überwerfen – aufatmen, denn er schläft noch. Jetzt also schnell ins Bad. Leise zur Tür, vorsichtig öffnen ….
Aber – Mo-ment! Da ist ja jemand! Du hörst Schritte und Stimmen und weißt eines ganz genau: Jetzt ist nicht der richtige Moment, seiner Familie zu begegnen. Nicht, wenn du quasi nackt bist, nur sein Hemd trägst und irgendwie nach Sex aussiehst. Nie im Leben! Also leise wieder ins Zimmer und warten, bis die Geräusche schwächer werden, weil die Familie frühstückt oder vielleicht sogar die Wohnung verlässt. Und dann – es ist soweit. Endlich ins Bad!
Aber – Mo-ment! Wo zum Teufel ist das Bad? Warum hast du ihn bloß nicht gefragt, wo das Badezimmer ist? Ganz ruhig, denn jetzt heißt es: pokern. Mit etwas Glück erwischt du die richtige Türe. Meist liegt das Badezimmer am Ende einer Wohnung, also nimm das Zimmer, das am weitesten weg ist. Leise und vorsichtig öffnen, reinspähen (beten, dass kein Opa auf der Toilette hockt!) und freuen, denn es ist das Badezimmer. Und jetzt schnell Zähne putzen, Gesicht waschen – und dann zurück ins Bett. Und natürlich so tun, als wärst du gerade erst aufgewacht …“(aus: Chica)
. So, ich hoffe mal, ich hab Euch damit weitergeholfen.(comix von Questionable Content)

Über das Bloggen an sich

1.Was ist ein Blog und wo kommt er her?

Ein Weblog ist im allgemeinen eine Webseite, die periodisch neue Einträge enthält.
Etymologisch betrachtet ist ein Log eine detaillierte chronologische Aufzählung, die in bestimmten Abständen aktualisiert und ihren Ursprung in der Schiffahrt hat.
Blogs haben ihre Vorgänger in den unterschiedlichen Formaten. So lassen sich sog. Filterblogs dem Bereich des politischen Journalismus zu ordnen und dort v.a. dem persönlichen Kommentar. Die Unabhängigkeit der Blogger von den Massenmedienwird von einigen als “publishing revolution ” gesehen, in der die Autoren die Produktionsmittel verwalten, und – im Gegensatz zu Journalisten – ihre Beiträge selbst veröffentlichen und somit Unabhängigkeit von den Medienkonzeren gewinnen können. Andererseits braucht ein Blogger auch eine Leserschaft – und hier ist er gegenüber den Massenmedien im Nachteil: „The Internet gives me the opportunity to speak my mind, but it can‘t guarantee me an audience, no matter how good I might be, whereas CNN has a large audience, no matter how good or bad it might be. Ever since I can remember, I dreamed of having a weekly column in a magazine or newspaper where I could expound upon whatever crossed my fancy. With Blogger, I have achieved my dream. What I haven‘t achieved is an audience.“ (Rubio). Blogs im Stil eines Tagebuchs erinnern aufgrund ihres persönlichen Charakters und der chronologischen Reihenfolge der Einträge natürlich an ihre handgeschriebenen Pendants.

2. Warum verbreitete sich das Bloggen so schnell?
Die Popularität des Bloggens wird einerseits mit seinen Vorzügen (das unmittelbare Veröffentlichen, Möglichkeit des Feedbacks und Kommentierens von Posts, Verlinken…..) und der Einfachheit diese zu nutzen begründet, d.h. man braucht kaum technische Kenntnisse um eine Seite zu unterhalten. Andere Autoren betonen die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, in denen sich das Bloggen zum Massensport entwickelte. Demnach fand der Weblog zu einem Zeitpunkt Verbreitung, indem erstens die Grenze zwischen öffentlich und privat verschoben wurde und zweitens reale Erlebnisse eine Abwertung erfahren, während Erlebnisse in virtuellen bzw. künstlichen Erlebniswelten aufgewertet werden.“The ‚reality‘ movement in the media has seemingly come to replace the reality In Real Life.“ (Miller/Shephard).
Das Verwischen der Grenze zwischen privat und öffentlich zeigt sich bspw. am Boom von Reality-TV-Sendungen, der seinen Anfang 1992 mit der MTV-Sendung „The Real World“ nahm, deren Beispiel zahlreiche Serien folgten (z.B. Big Brother). Bereits im Jahr 1948 wurde die Pionier-Sendung des “reality slapstick” Candid Camera zum ersten Mal ausgestrahlt. Candid Camera ist mit der versteckten Kamera im deutschen TV vergleichbar (erinnert Ihr Euch noch an „Verstehen Sie Spass?), d.h. Menschen werden ohne ihr Mitwissen in potentiell peinlichen Situationen gefilmt. Candid Camera machte Menschen nicht nur zu Voyeueren, in dem private Aufnahmen von Personen ausgestrahlt wurden, die ohne ihr Mitwissen gefilmt wurden, sondern es schärfte auch das Bewusstsein für das Eindringen der Kamera in den Alltag und der Möglichkeit, selbst jederzeit Opfer einer „versteckten Kamera“ werden zu können. Im Jahr 1973 wurde mit An American Family die erste Sendung ausgestrahlt, in der das Alltagsleben realer Charaktere porträtiert wurde (Yesil).
Gegenwärtige gibt es nicht nur unzählige Reality-TV Sendungen, sondern auch Webcams, die über das Internet Bilder aus dem Privatleben Fremder einem Massenpublikum zugänglich machen. Diese Entwicklung wird nicht zuletzt als eine Reaktion auf den Zwang, immer mehr Informationen von sich preisgeben zu müssen, gesehen. In einer Gesellschaft, in der Individuen zunehmend einer permanenten Überwachung ausgesetzt sind, erwarten sie umgekehrt einen erweiterten Zugang zu Informationen. “ The more our own domestic space is penetrated by the information-gathering tentacles of government, credit agencies, and pollsters, the more it seems that we want to watch other people’s lives made public.The desire to peer into the lives, not only of the stars, but of ordinary citizens like ourselves is the desire to take control over our sense of being violated. We‘re convinced that everyone has something to hide. And we‘re confident that they won‘t be able to keep it secret for long.“ (Russel u.a.).

3. Voyeur-Culture
Calvert beschreibt diese Phänomen als “mediated voyeurism.” Calvert definiert Voyeurismus als Interesse an anderen Personen als „Kuriositäten“ und nicht als moralisch gleichgestellte Individuen. Lange Zeit verpönt erfuhr der Voyeurismus nun eine Rehabilitation. Im Gegensatz zu konventionellen Voyeuren, sind die Medien-Voyeure räumlich und zeitlich vom Objekt ihres Interesses getrennt und daher auch vor Sanktionen geschützt. Die Verbindung erfolgt allein über den Bildschirm.
Drei Entwicklungen macht er für die Zunahme des medienvermittelten Voyeurismus verantwortlich. Erstens führt das Bedürfnis nach „Wahrheit“ zur Suche nach weniger vermittelten Informationen aus zweiter Hand und mehr Authenzität. Zweitens spielt die Suche nach Abenteuer und Unterhaltung eine Rolle. Drittens befriedigt Voyeurismus auch Wünsche nach Kontakt und Gemeinschaft in dem er eine scheinbare Eingebundenheit bietet, sowie das Verlangen, heimliche Einblicke in das Privatleben anderer zu erhaschen.
Die Verbreitung von Reality-TV-Sendungen und Talk-Shows, in denen die Gäste ihr Intimstes ausplaudern, nennt er als Beispiele dieses neuen Voyeurismus. Zwar gab es schon früher Spiel- und Talentshows, in denen normale Leute für wenige Minuten zu Personen des öffentlichen Lebens wurden, neu ist aber das Festhalten gewöhnlicher Tagesabläufe in Internet und TV, die früher dem Blick der Kamera entzogen waren.
Diese Entwicklung ist jedoch nur dadurch möglich, dass es Menschen gibt, die sich bereitwillig zum Objekt des Interesses machen. So erhält die MTV-Sendung The Real World jährlich 35,000 Bewerbungen (Yesil). Das Gegenstück zum medienvermittelten Voyeurismus ist demnach der wachsende Drang zur Selbstoffenbarung im Internet oder Fernsehen. Während ein Auftritt im Fernsehen nicht ohne weiteres zu bewerkstelligen ist, bietet das Internet zahlreiche Möglichkeiten zur Selbstdarstellung und zum heimlichem Zuschauen.
Koskela spricht hier in Bezug auf private Webcams von ‘empowering exhibitionism’. Im Gegensatz zur immer stärker werdenden Überwachung, versuchen die Menschen selbst eine aktive Rolle in der Produktion visueller Repräsentationen zu einzunehmen. Die Menschen bleiben nicht länger Objekte der Überwachung sondern werden zu Subjekten die das „copyright of their own lives“ zurückerobern. Der emanzipatorische Charakter der Webcams liegt Koskela zufolge darin, dass sie sich dem regime of order und dem regime of shame verweigern. Mit dem regime of order ist die Internalisierung von Kontrolle i.S. Foucalts gemeint, mit dem regime of shame das anerzogene Schamgefühl. Private Webcams stellen beides in Frage. Durch die Enthüllung des Privatlebens verweigern sich Individuen den Regimen von Scham und Angst, der auferzwungenen Selbstbeobachtung und Selbstdisziplinierung, daher kann diese Form des Exhibitionismus eine Form des „empowerments“ darstellen. (Nun ja…..ich empower mich lieber auf anderem Wege).

4. Blogs an der Schnittstelle zwischen Privat und Öffentlich
Blogs können sowohl einen öffentlichen Charakter haben als auch sehr persönlich sein – und dies führt möglicherweise zu dem Konflikt, zwischen dem Wunsch, seinen Gedanken mitzuteilen, und der Angst, dass diese dann tatsächlich gelesen werden. Bloggen bietet die Möglichkeit, seine Gedanken einem unsichtbaren und möglicherweisen riesigem Publikum anzuvertrauen, dass in der Realität wohl eher klein ist. Den meisten Bloggern ist es bewusst, dass sie Leser haben und viele schreiben für dieses antizipiertes und zu Teil auch bekannte Publikum, von dem umgekeht ein Feedback erwartet wird.
Die Vorstellung, Gedanken, die man sonst nur seinem Tagebuch anvertraut, der
Öffebntlichkeit zugänglich zu machen, scheint befremdlich, ist die Vorstellung, dass jemand anderes in privaten Aufzeichungen rumschnüffelt doch mit Angst verbunden. Aus genau diesem Grund besteht natürlich ein Unterschied zwischen dem, was man in ein privates Tagebuch schreibt und dem, was man in einem Blog postet. Das Bewusstsein, dass das was man schreibt, einer Öffentlichkeit zugänglich, führt zur Selbstzensur. In einem Blog findet demnach viel weniger Selbstoffenbarung statt als in einem Tagebuch. Das ist – aus der Sicht des Lesers- nicht nur schlecht, einerseits geht dadurch zwar die Unmittelbarkeit verloren, andererseits steigt aber die Lesbarkeit, weil man sich mehr Mühr mit der Gestaltung der Texte gibt, als wenn man nur für sich schreibt (Rubio)
Die Besucher bzw. Leser eines Bloggs stellen auch einen wesentlichen Antrieb des Bloggens dar: “ When a blogger consults his or her statistics about hits/visits/pages, s/he reinforces the need to create content that will induce those measurements of a public’s attentions. (Even a public of one.) Anxiety may be the primary emotion associated with giving accounts of blogging, and perhaps of blogging itself-Do I updated enough? Why don’t I write? Who is reading me? Why aren’t there more? What do they think about what I say?….“ (Curtain) Aus der Perspektive des Blog-Lesers ist es vor allem der persönliche Charakter des Weblogs, das Gefühl unmittelbar teilhaben zu können, das zum Lesen motiviert. Die tagebuchartige Struktur des Blogs suggeriert Unmittelbarkeit und verstärkt den Eindruck, dass der Inhalt tatsächlich real und nicht ausgedacht ist. Miller und Shepard illustrieren dies am Beispiel der empörten Reaktionen auf einen Blogs einer vorgeblich Leukämiekranken, als sich herausstellte, dass alles nur Fiktion war.
5. Bloggen für das Ego und die Seele

In der Literatur wird vielfach die Funktion des Weblogs als Möglichkeit der Selbstdarstellung und Identitätsentwicklung betont (Reichmayr, Huffaker). Während im realen Leben körperliche Eigenschaften wie Körper, Geschlecht, Hautfarbe und Alter einen starken Einfluss auf Selbstbild und Selbstdarstellung haben, werden diese Eigenschaften im virtuellen Raum flexibel. Das Internet bietet daher einen neuen Rahmen für Identitätsfindung und Selbstrepräsentation. Duese Möglichkeiten werden jedoch selten genutzt. Von der Möglichkeit, mit verschiedenen Identitäten zu spielen, wird jedoch selten gebrauch gemacht, vielmehr herrscht das Bemühen vor, eine einheitliche Identität zu konstruieren, die weitgehend mit jener im Real Life übereinstimmt. So geben Blogautoren oft ihren richtigen Namen an, geben persönliche Informationen von sich preis und posten Bilder von sich. Warum sich Blogautoren in einer virtuellen Umwelt, sich genauso repräsentieren wie im realen Raum wird mit dem Wunsch begründet , seine eigenen Gedanken und Gefühle darzulegen ohne sich hinter einer Maske zu verstecken.
Wie das gute alte handgeschriebene Tagebuch dient der Weblog auch der Reflexion und Strukturierung der eigenen Gedanken, sowie dem Selbstausdruck. Denn nicht zuletzt schreibt der Blogger auch für sich selbst. Bloggen kann damit auch (selbst)-therapeutische Zwecke erfüllen.
Zudem bietet die kuschelige Blogger-Community, die durch das Verlinken und Kommentieren entsteht, gegenseitigem Austausch und Kommunikation sowie (hoffentlich positives) Feedback. Durch Links und Kommentare kann man sich innerhalb der blogger-Community positionieren und zeigen, zu wem man gehört. Allerdings ist die Blogger-Familiy auch von Konkurrenzkämpfen und Hierarchien geprägt. Auch hier gibt es “A-list bloggers”, Blogs mit den meisten Besuchern und eingehenden Links. Clark bezeichnet die Blogssphäre daher als “culture of upward mobility”, gekennzeichnet von dem Wunsch nach Anerkennung und Bestätigung.


Literatur:
Calvert, C.: Voyeur Nation: Media, Privacy, and Peering in Modern Culture.
Clark, J. :Deconstructing ‚You‘ve Got Blog‘.
Curtain, T.:Promiscuous Fiction.
Huffaker/Calvert: Gender, Identity, and Language Use in Teenage Blogs.
Koskela: Webcams, TV Shows and Mobile phones: Empowering Exhibitionism.
Miller/Shepherd: Blogging as Social Action: A Genre Analysis of the Weblog.
Reichmayr: Weblogs von Jugendlichen als Bühnen des Identitätsmanagements.
Rubio, S.: Still Nobody, or, How my Home Page Became a Blog.
Russel u.a. :Introduction: Here’s Looking at You .
Yesil:Reel Pleasures: Exploring the Historical Roots of Media Voyeurism and Exhibitionism in the USA

Waiting for Tatort ….

plakat Seit der Zeitumstellung und dem Einsetzen der Dunkelheit mehr oder weniger direkt nach dem Aufstehen reduziert sich der Sonntag auf die Zeit vor dem WG-TV-Abend. Zeit, noch ein kurzes Resumee (keine Ahnung wo hier die Akzente sind) des Wochenendes zuziehen. Nach einer längeren Kneipendiskussion über Sponsoring mit meinem mbws am Freitag konnte ich das Ergebnis von übermäßigem Product-Placement gestern im Kino sehen. Das Carhartt-Label an den Hosen der coolen Spayer von Wholetrain sprang mir so oft ins Auge, dass sich mir Anfangs der Gedanke aufdrängte, ob hier eine Verbindung zur Antifa-Szene suggeriert werden sollte. Aber wie sich herausgestellt hat geht es nicht um irgendwelche Symbolik und Interpretation sondern nur um Materialisiertes. Wholetrain ist echt ein netter Sprayer-Film, die Repression durch die Bullen ist ganz gut dargestellt, der Soundtrack stimmt auch. Nur ist es halt ein Jungs-Film, Frauen kommen wie so oft in diesem Genre nur am Rande als Mütter, Schwestern und (Ex-)Geliebte vor. Und der testosterongeladene Rivalenkampf mit der ATL-Crew nervt auch ein bisschen (kann man sich nicht bessere Feinde suchen?!), aber am Ende, nach dem obligatorischen Todesopfer, ziehen beide Crews doch noch gemeinsam los. whole train
Nach dem Film ging ich gezwungener Maßen in die Köpi. Dort harrte ich Ewigkeiten Unmengen von Punkern, schlechter Luft und schlechter Musik aus, bis sich meine Bezugsgruppe endlich zum Weiterziehen bewegen liess. Ich landete im Cassiopeia auf einer Tekno-Party mit lauter jugendlichen Prolls aus ost-berliner Plattenbau-Siedlungen (ich wünschte dies wäre ein Vorurteil, aber es ist die Wahrheit). Glücklicherweise kam später noch sympathischeres Publikum dazu, so dass es entschieden einfacher wurde sich den verbalen und taktilen Versuchen der Kontaktaufnahme seitens der beschriebenen Gruppe zu entziehen. Das Resultat: schon wieder Vergiftungserscheinungen, die auf den Konsum von Woska zurückzuführen sind. Ich nehm mein Lob auf Lidl zurück.




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