Good bye Uni…

Ich bereite mich gerade auf meine allerletzte Prüfung vor. Zumindest habe ich das vor. Leider läuft das meist immer darauf hinaus, dass ich trotz bester Vorsätze, die Zeit damit verbringe, im Internet zu surfen oder mir Musikvideos auf Youtube anzuschauen, bis ich feststelle, das es schon ganz schön spät ist und ich besser schlafen gehen sollte. Egal, auf jedenfalls werde ich in wenigen Tagen mein Studium abgeschlossen haben.
Mit der Uni fertig sein ist anders als die Schule hinter sich zu haben. Raus aus der Schule bedeutete für mich, endlich ausziehen zu können, endlich raus aus der Kleinstadt und endlich Leben wie ich will. Mit der Uni fertig sein, heisst die Wahl zwischen ALG II oder irgendeinem blöden Job und die Frage was danach kommt, ob es ein danach gibt, denn irgendwie wird einem ja suggeriert, dass man mit dem Abschluss irgendetwas erstrebenswertes erreicht hätte und man selbst fragt sich ja auch, für was man sich so abgequält hat, denn ALG II oder irgendeinen Mäc-Job hätte man auch ohne den Abschluss bekommen können.
Die Uni fertig zu haben bedeutet erst mal Freiheit. Gerade weil das letzte Studienjahr oft das intensivste ist. Zumindest machte ich die Erfahrung, dass Studieren in den ersten Jahren eher ein Hobby war, das vernachlässigt wurde, sobald ich etwas besseres zu tun hatte. In der Abschlussphase kehrt sich das Verhältnis schliesslich um, bis die Diplom-/Magisterarbeit zum alles bestimmenden Lebensinhalt wird. Freizeit wird auf die notwendigen Kaffeepausen reduziert und Freunden schickt man höchstens mal einen SMS- oder Textabschnitte zum korrekturlesen-, da man erstens eh keine Zeit hat sich zu treffen und zweitens sich alles im Kopf nur um die Arbeit dreht. Wenn der Abgabetermin erstmals in greifbare Nähe rückt, und die Kalkulation ergibt, dass man es unmöglich bis zu diesem Zeitpunkt schaffen kann, setzt die Panik ein. Dann heisst es gutbegründendete Anträge auf Fristverlängerung schreiben und Krankschreibungen einreichen. Und immer schön cool bleiben, auch wenn sich Suizidgedanken aufdrängen, weil der Antrag abgelehnt wurde und die Krankschreibungen nicht akzeptiert werden. Irgendwann verliert die „Deadline“ (passt viel besser als das deutsche Wort) schliesslich ihren bedrohlichen Charakter und wird zum Datum der Erlösung. Wie ein Gefangener der auf seine Haftentlassung wartet (bzw. meinem Klischee davon) fiebert man dem Tag der Freiheit entgegen, denn: draussen wartet das Leben! Irgendwann erfasst sie einen dann, die Euphorie, wenn man das Ding im Prüfungsamt abgegeben hat, verstärkt durch den Schlafentzug der letzten Nächte. Man ist endlich frei. Man kann stundenlang frühstücken oder ausgehn und sich hemmunglos betrinken- man braucht den Kopf ja nicht mehr.
Hier käme nun eigentlich das Happy-End.

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