Ich liebe meinen Job


Ich schreibe hier oft sehr negativ über meinen Nebenjob. Da wirft mit mancher schon mal Undankbarkeit vor: “ Wir haben 4 Millionen Arbeitslose und dann stellt man Leute wie Sie ein!“. Da bekomm ich dann immer ein gaaanz schlechtes Gewissen. Denn schliesslich ist der Job hier nicht das aller schlechteste. Denn man wird ja nicht die ganze Zeit angepöbelt, herablassend behandelt oder angeschrien. Zuweilen gibt es sogar kostenlose bzw. sogar geringfügig entlohnte Streicheleinheiten für das strapaziertes Ego.
Eigentlich klingt meine Stimme ja furchtbar und ich würde nie im Leben einen Ansagetext auf einen AB oder eine Mailbox sprechen und zolle denjenigen Respect, die sich nicht mit einem Audio-Schnipsel des Lieblingssongs, -films, -hörspiels oder gar einem nüchternen Piepton begnügen sondern tatsächlich mit ihrer eigenen Stimme sprechen.
Als im Bereich der niedrigqualifizierten, schlecht bezahlten kundenorientierten Dienstleistungen Tätige bekomme ich natürlich keine Anerkennung hinsichtlich meiner Kompetenz, sondern wegen meiner weiblichen Qualitäten. So wird mir des öfteren versichert, was für eine schöne Stimme ich habe, manchmal rufen so gar Leute (=Typen) an und wollen explizit nochmal mit mir sprechen oder versuchen ein Date rauszuschlagen. Gestern rief einer an, der seinem Freund meine ‚nette Stimme‘ vorführen wollte. Da frag ich mich, bin ich so eine Art Exta-Soft-Porno-Variante des Telefonsex? Holen die Typen sich dabei einen runter, wenn wir ihnen mit lieblicher Stimme „Guten Tag mein Name ist xy- was kann ich für Sie tun“ ins Ohr säuseln?

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