Die Wahrheit über Auslandssemester Teil I

bm Ich gebe zu, die Überschrift ist etwas anmaßend. Mir fiel nur auf, dass es zur Zeit auf blogsport von Beiträgen wimmelt, die (zumindest beim ersten Draufblick) in bunten Bildern das lustige Studentenleben im Ausland schildern. Da dacht ich mir, ich hab das auch mal gemacht, also schreibe ich jetzt auch mal meine Erinnerungen nieder. Das ganze ist schon ein bisschen her, da wusste ich nicht, was ein We(Blog) ist und Digitalkameras und Fotohandys waren noch nicht dermaßen verbreitet. Nun ja, wegen dem hässlich-kalten Berliner Winter hatte ich für ein Semester in Barcelona beworben. Es war meine politisch aktive Phase und zwischen dem EU-Gipfel in Göteburg und dem G8 in Genua lag noch eine Weltbankkonferenz in Barcelona.
Im Herbst kehrte ich schliesslich nach Barcelona zurück und war fest entschlossen, mich an der Vorbereitung für die im Frühjahr folgenden Proteste gegen den EU-Gipfel zu beteiligen. Ich war an einer provaten Uni eingeschrieben, an der alle katalanisch sprachen- außer mir. Für die Kurse musste man sich über das Intranet anmelden, und weil das alles so bürokratisch war scheiterte ich daran und erhielt abschließend ein Zeugnis mit dem Vermerk “ no presentada“. Das kam der Realität ziemlich nahe. Die privatisierte Uni war sowohl hinsichtlich als auch Lehre völlig inakzeptabel, so dass ich mein Programm auf einen Katalanisch-Kurs und Internet- und Bibliotheksnutzung reduzierte.

Casa Okupada, Casa Encantada
lautet ein geflügeltes Wort der Squatter-Scene. Jedenfalls wohnte ich auf dem feuchten Dachboden eines selbigen. Meine Mitbewohner interessierten sich in erster Linie für Selbstversorgungsökonomie und in zweiter Linie für Umweltthemen allgemein. Ich fand das schrecklich uncool, meine Castorphase hatte ich hinter mir, Rot-Grün war an der Regierung und Bio-Läden Zeichen der Gentrification. Meine Mitbewohner kochten mindestens zweimal am Tag, waren auch ganz nett, dennoch blieb ich immer die Exotin und da das Ganze schon so ein kommuneartiges Zusammenleben war, samt selbstausbeuterischer Eigenproduktion, sehnte ich mich schnell nach der (relativen) Anonymität und Autonomie des WG-Lebens zurück…..

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4 Antworten auf „Die Wahrheit über Auslandssemester Teil I


  1. 1 mbw 10. Oktober 2006 um 22:26 Uhr

    willkommen,
    das scheinst du ja jetzt geschafft zu haben…

  2. 2 Felix 11. Oktober 2006 um 14:32 Uhr

    moin du….
    cooler blog… du scheinst deine arbeit ja echt zu hassen das mit dem elterngeschwätz kann ich auch gut nachvollziehen.
    bilder sind nicht so dein fall, oder? finde es immer ganz interessant zu sehen wer den blog eigentlich schreibt…. naja so ists halt ein mysterium…

    servus und schönes weiterbloggen wünsch ich…

    Felix

  3. 3 Administrator 11. Oktober 2006 um 15:06 Uhr

    Hallo Felix,

    du scheinst deine arbeit ja echt zu hassen

    -
    ja und ich freue mich schon darauf, irgendwann mal(nach der kündigung) einen beitrag über das grauen zu posten…

    bilder sind nicht so dein fall, oder? finde es immer ganz interessant zu sehen wer den blog eigentlich schreibt

    …also ich bin zwar gut aussehend (Kommentare die dem widersprechen werden sofort gelöscht!), aber nicht fotogen (vgl. den Vogue-Modeltest).

    Viel Spass noch unter der Sonne Venezuelas.

  4. 4 mbw 12. Oktober 2006 um 14:03 Uhr

    das setting war ein anderes. ich fuehle mich weniger assimiliert als eher nicht in der lage, finanziell und auch zeitlich/oertlich, meine gelueste bei erwaehntem etablissement zu befriedigen. so wird auch der snack zwischendurch zum schwierigen unterfangen und will gut durchdacht sein.
    auszerdem finde ich ein derart unqualifiziertes feedback nicht sonderlich hilfreich. freute mich aber auf deine anteilnahme.

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