Archiv für Oktober 2006

vodka



Ich weiss nicht, ob es an dem „milchgereinigten“ high-quality Paliament Vodka lag oder an der Lidl-Edelmarke-für-Arme Putinov. Auf jeden Fall war ich gestern ganz schön fertig und an Lernen war nicht zu denken. Mein blog-freier Mitbewohner lieferte schliesslich die Erklärung für meinen desolaten Zustand. So verbrachte ich den Rest des Sonntags mit einer der ödesten Tatortfolgen aller Zeiten – Ritual ist Ritual.
P.S.: Nachdem ich heute folgenden Artikel in der Berliner Zeitung gelesen habe muss ich meine Klagen über schlecht bezahlte Jobs zurücknehmen.Dort steht nämlich, dass die Wssenschaft sagt – und wir wissen, Wissenschaft ist Wahrheit- „Das persönliche Glück wird vor allem durch eine hohe Bildung und einen Job gewährleistet“ und „ein höheres Einkommen allein macht nicht glücklicher.“ Also schluss mit jammern und ran an den 1-Euro-Job.
Update: Die Berliner Zeitung berichtet hier über den Zusammenhang zwischen Präkarisierung und Vodka-Fulsel-Vergiftung (natürlich tut sie das nicht wirklich):“ Der Wodka ist teurer geworden und nun säuft das abgehängte russische Prekariat in seiner Not, was den Stoff enthält, von dem es abhängig ist: Reinigungs- und Frostschutzmittel, Eau de Cologne, Rasierwasser, Fensterreiniger und Brennspiritus. Wie gut, dass es hier noch ALGII und Vodka Putinov gibt.

Good bye Uni…

Ich bereite mich gerade auf meine allerletzte Prüfung vor. Zumindest habe ich das vor. Leider läuft das meist immer darauf hinaus, dass ich trotz bester Vorsätze, die Zeit damit verbringe, im Internet zu surfen oder mir Musikvideos auf Youtube anzuschauen, bis ich feststelle, das es schon ganz schön spät ist und ich besser schlafen gehen sollte. Egal, auf jedenfalls werde ich in wenigen Tagen mein Studium abgeschlossen haben.
Mit der Uni fertig sein ist anders als die Schule hinter sich zu haben. Raus aus der Schule bedeutete für mich, endlich ausziehen zu können, endlich raus aus der Kleinstadt und endlich Leben wie ich will. Mit der Uni fertig sein, heisst die Wahl zwischen ALG II oder irgendeinem blöden Job und die Frage was danach kommt, ob es ein danach gibt, denn irgendwie wird einem ja suggeriert, dass man mit dem Abschluss irgendetwas erstrebenswertes erreicht hätte und man selbst fragt sich ja auch, für was man sich so abgequält hat, denn ALG II oder irgendeinen Mäc-Job hätte man auch ohne den Abschluss bekommen können.
Die Uni fertig zu haben bedeutet erst mal Freiheit. Gerade weil das letzte Studienjahr oft das intensivste ist. Zumindest machte ich die Erfahrung, dass Studieren in den ersten Jahren eher ein Hobby war, das vernachlässigt wurde, sobald ich etwas besseres zu tun hatte. In der Abschlussphase kehrt sich das Verhältnis schliesslich um, bis die Diplom-/Magisterarbeit zum alles bestimmenden Lebensinhalt wird. Freizeit wird auf die notwendigen Kaffeepausen reduziert und Freunden schickt man höchstens mal einen SMS- oder Textabschnitte zum korrekturlesen-, da man erstens eh keine Zeit hat sich zu treffen und zweitens sich alles im Kopf nur um die Arbeit dreht. Wenn der Abgabetermin erstmals in greifbare Nähe rückt, und die Kalkulation ergibt, dass man es unmöglich bis zu diesem Zeitpunkt schaffen kann, setzt die Panik ein. Dann heisst es gutbegründendete Anträge auf Fristverlängerung schreiben und Krankschreibungen einreichen. Und immer schön cool bleiben, auch wenn sich Suizidgedanken aufdrängen, weil der Antrag abgelehnt wurde und die Krankschreibungen nicht akzeptiert werden. Irgendwann verliert die „Deadline“ (passt viel besser als das deutsche Wort) schliesslich ihren bedrohlichen Charakter und wird zum Datum der Erlösung. Wie ein Gefangener der auf seine Haftentlassung wartet (bzw. meinem Klischee davon) fiebert man dem Tag der Freiheit entgegen, denn: draussen wartet das Leben! Irgendwann erfasst sie einen dann, die Euphorie, wenn man das Ding im Prüfungsamt abgegeben hat, verstärkt durch den Schlafentzug der letzten Nächte. Man ist endlich frei. Man kann stundenlang frühstücken oder ausgehn und sich hemmunglos betrinken- man braucht den Kopf ja nicht mehr.
Hier käme nun eigentlich das Happy-End.

Familienausflug

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Nach den ich den Samstag auf einer unsäglichen Feierlichkeit verbracht habe- definitiv zu voll, definitiv zu punk-lastig und definitiv zu qualitativ minderwertiges Bier um das alles zu verdrängen- wollte ich wenigstens am Sonntag was erleben. Also Fussball schaun. Eigentlich steh ich nicht so auf Fussball. Meine Fussballbegeisterung begann mit der WM 1990 und ebbte dann parallel zum Abstieg meines damaligen Favourites von der ersten in in die zweite und letzlich in die dritte Liga ab. Leider war ich erst zum Spielende da und bekam nicht viel mehr mit, ein Kind hätte beinahe einen geworfenen Gegenstand ins Gesichts bekommen und die Interessengemeinschaft Pankow-Heinersdorfer Bürger hätte auch ihre Freude an den gerufenen Slogans gehabt. Berichte zum Spiel gibts hier und da. Dabei wurde im Fan-Forum bereits gewarnt:“Heute werden im Stadion mehr Kameras sein als Zuschauer, da mitlerweile auch schon jeder 2te Polizist eine hat. Nach den Vorfällen in Rostock und anderstwo erwartet man heute gerade von uns eine noch bessere Story fürs Titelblatt […] Haltet Euch heute zurück, lasst Euch nicht provozieren von der Polizei und denkt nach bevor Ihr was brüllt. “ Enttäuschend fand ich, dass in einer Umfrage bereits die Mehrheit der Fans von einer Niederlage ausgegangen war.

Dialog aus dem Fan-Forum:

(L) Was war denn da eigentlich nach Spielende los? Schien ja recht aufgeregt gewesen zu sein?!
(T) Der ganz normale Warnsin die Türken brüllen schmeißen Steine von oben und Pöbeln
(L) Ich meinte eigentlich das gerangel auf dem Spielfeld.
(T) alles gut die Spieler gaban eine kleine Boxeinlage dazu daran sieht mann das unsre noch kraft hatten!!!!!!!!!! alles normal
(R) Ich weiß nicht ob es Türken waren. Sah eher nach Antifa aus. Auf den Häuser-Dächern neben dem Stadion liefen ein ige vermummte Typen rum und schmissen mit Steine. Die Uniformierten stürmten daraufhin das entsprechende Haus.[…]
(M) Nach den letzten „Leistungen“ unserer „Helden“ habe ich mir heute das Elend nicht angetan.
Da habe ich lieber mit meiner Kleinen heute den Tierpark Germendorf (bei Oranienburg) besucht [….]
Gegen Jogurt zum Heimspiel bin ich wieder dabei !!! cool
Und bringe auch noch für die Jugend Pfandflaschen mit… Augenzwinkern […]
(K) Wie kam es eigentlich dazu, das sich Falk schon wieder ne Rote Karte abholte?
(L) laut antifa wars ein rassistischer übergriff an einen farbigen….
„Außerdem wurde einer der Spieler mit einer anderen Hautfarbe von Türkymspor von einem anderen Spieler vom BFC
Dynamo ins Gesicht geschlagen[ indymedia].“
(H)Antifa-Assoziale-nicht anerkannte-triebgesteuerte-Interessengemeinschaft-für-Anarchisten!
Wenn ich so ne Pisse lese, tut mir leid, mit Realismus hat das nichts zu tun, aber jut jeder weis, in Kreuzberg wächst der
Mohn am höchsten……[…]

(V)Warum steht da bei indy…. nichts über den feigen Angriff der Zecken mit Steinen und Flaschen von Dächern, ach ja die Toleranz und die lieben lieben Wowies….!

ausgerechnet heute…

bauarbeiterwo ich den ganzen Tag frei hab und es mal richtig chillig angehen lassen wollte, exzessives Ausschlafen eingeschlossen, soll unser Balkon in Stand gesetzt werden, was laut Hausverwaltung bereits vor einem halben Jahr passieren sollte. Nachdem ich nun Frühjahr und Sommer mit einer rotten Balkonhälfte zugebracht, trotz zahlreicher Rückschläge immer wieder tapfer Bepflanzungsversuche unternommen habe und schliesslich richtig stolz auf meine Tomatenzucht war, bis mein Mitbewohner mir eröffnete, dass diese den Winter nicht überlebe und ich darauf hin alle meine gärtnerischen Aktivitäten einstellte, weil ich keinen Sinn darin sah, die Pflanzen noch länger am Leben zu halten, war ihr Schicksal doch schon besiegelt. Jedenfalls wurde ich heute morgen durch lautes Hämmern geweckt und als ich ein Auge öffnete blickte ich in das Gesicht eines jungen Mannes der sich lässig mit einer Zigarette in der Hand über die Balkonbrüstung lehnte und sich mit einem seiner Kumpel unterhielt. Ich versuchte es mit Ohrstöpseln und auf die andere Seite drehen, doch es war zwecklos. Also quälte ich mich absolut unausgeschlafen aus dem Bett, überlegte ob es in meinem schlauchigem Zimmer einen Winkel gab, der nicht vom Balkon einsehbar und kam zu dem Ergebnis: Es gibt keinen.
Nachdem ich mir in den letzen Tagen zahlreiche Artikel reingezogen habe, die sich um die Verschiebung der Grenze zwischen öffentlicher und privater Sphäre durch Veränderungen in der Medienwelt beschäftigen, finde ich nun, dass dem offline-Real Life-Erlebnis “ Ein Trio Bauarbeiter vor meiner Balkontür, ich bin völlig unausgeschlafen und fühle mich wie in einem Glaskäfig“ gegenüber der Konzentration auf Blogs, Talk-Shows etc. viel zuwenig Bedeutung beigemessen wird. Was ist schon medial vermittelter Voyeurismus/Exhibitionismus a la Big Brother, wenn man sich unfreiwillig (!) nur 50cm von den Zuschauern entfernt befindet, allein durch eine Glasscheibe getrennt?
So, jetzt erstmal das Fenster verhangen, hoffe die machen bald mal Feierabend, damit ich wieder pennen kann……
Special thanxxx to meinem lovely Mitbewohner, der mir den Link zu diesem schicken PornStarBauarbeiterBild geschickt har, leider ist der im Spamfilter gelandet. Allerdings tragen unserer Bauarbeiter statt sexy Sonnenbrillen total unsexy Nazi-Klamotten, was den Hass natürlich erst recht legitimiert…..

Auf den Spuren Loic Wacquants…

boxgymVor ein paar Tagen betrat ich zum ersten Mal den Boden einer Neuköllner Sportschule. Nach einem Jahr Training bei einem proletarischen Sportverein im Osten Berlins, wollte ich mir eine Stätte der Körperübungen in der Nähe meines Wohnortes suchen. Zum einen war mir der Weg zu weit, zum anderen hatte ich die dort abhängende Alt-Herren-Clique über, die die ansonsten nette Trainingatmosphäre beeinträchtigte. Ich machte mich also auf den Weg, nicht in die Southside Chicagos, sondern ins Zentrum NKs.
Als ich den Trainingsraum betrat, beendete gerade die Kickboxgruppe ihr Training mit Liegestützen und Verabschiedungsgruß. Ich kam mir ziemlich verloren vor und verpasste den fließenden Übergang zum Boxtraining, das ebenfalls mit Liegestützen begann, die von autoritärem Gebrülle des Trainers begleitet wurden. Kampfsporttrainer wirken auf den ersten Blick oft wie Bundeswehrfeldwebel und stellen sich bei näherem Hinsehen doch als Menschen dar. Mich schüchtert das dennoch jedesmal wieder von neuem ein. Nun ja, nach den Liegestützen schloss ich mich dem Training an und stellte schnell fest, dass ich neben etwa zwanzig oder mehr türkischen Jugendlichen und Adoleszenten die einzige Frau war. Und vermutlich auch die einzigste Person über 21 Jahre. Nach dem Aufwärem bestand die Wahlmöglichkeit zwischen Sandsack und Sparring und natürlich entschied ich mich für ersteres. Der Trainer, der sich zuvor mir gegenüber äusserst desinteressiert verhalten hatte, gesellte sich zu mir und hörte nach ein paar Sätzen endlich auf mich zu siezen. Nach drei Runden forderte mich ein Jugendlicher mit Zahnspange zmu Sparring auf. Ich lehnte sein Angebot ab und fragte mich, warum ein 15- bis 16-jähriger ausgerechnet mit einem Mädchen boxen will. Schliesslich liess ich mich zu einem lockeren Sparring überreden und das war natürlich ein Fehler. Während ich mich nicht wirklich traute, ihn zu treffen, fand er vollen Gefallen daran, mir mit voller Wucht zu zuschlagen. Weil er nicht mit sich reden liess und eine stärkere Gegenwehr meinerseits das ganze nur noch zu eskalieren drohte, zog ich mich wieder an den Sandsack zurück und ärgerte mich, mal wieder typische Geschlechterklischees bestätigt zu haben. Kurz darauf war das Training vorbei, ich hatte mit niemandem ausser dem Trainer auch nur ein Wort gewechselt und war froh, mich, den Fremdkörper, wieder entfernen zu dürfen.

Ich liebe meinen Job


Ich schreibe hier oft sehr negativ über meinen Nebenjob. Da wirft mit mancher schon mal Undankbarkeit vor: “ Wir haben 4 Millionen Arbeitslose und dann stellt man Leute wie Sie ein!“. Da bekomm ich dann immer ein gaaanz schlechtes Gewissen. Denn schliesslich ist der Job hier nicht das aller schlechteste. Denn man wird ja nicht die ganze Zeit angepöbelt, herablassend behandelt oder angeschrien. Zuweilen gibt es sogar kostenlose bzw. sogar geringfügig entlohnte Streicheleinheiten für das strapaziertes Ego.
Eigentlich klingt meine Stimme ja furchtbar und ich würde nie im Leben einen Ansagetext auf einen AB oder eine Mailbox sprechen und zolle denjenigen Respect, die sich nicht mit einem Audio-Schnipsel des Lieblingssongs, -films, -hörspiels oder gar einem nüchternen Piepton begnügen sondern tatsächlich mit ihrer eigenen Stimme sprechen.
Als im Bereich der niedrigqualifizierten, schlecht bezahlten kundenorientierten Dienstleistungen Tätige bekomme ich natürlich keine Anerkennung hinsichtlich meiner Kompetenz, sondern wegen meiner weiblichen Qualitäten. So wird mir des öfteren versichert, was für eine schöne Stimme ich habe, manchmal rufen so gar Leute (=Typen) an und wollen explizit nochmal mit mir sprechen oder versuchen ein Date rauszuschlagen. Gestern rief einer an, der seinem Freund meine ‚nette Stimme‘ vorführen wollte. Da frag ich mich, bin ich so eine Art Exta-Soft-Porno-Variante des Telefonsex? Holen die Typen sich dabei einen runter, wenn wir ihnen mit lieblicher Stimme „Guten Tag mein Name ist xy- was kann ich für Sie tun“ ins Ohr säuseln?

Die Wahrheit über Auslandssemester Teil I

bm Ich gebe zu, die Überschrift ist etwas anmaßend. Mir fiel nur auf, dass es zur Zeit auf blogsport von Beiträgen wimmelt, die (zumindest beim ersten Draufblick) in bunten Bildern das lustige Studentenleben im Ausland schildern. Da dacht ich mir, ich hab das auch mal gemacht, also schreibe ich jetzt auch mal meine Erinnerungen nieder. Das ganze ist schon ein bisschen her, da wusste ich nicht, was ein We(Blog) ist und Digitalkameras und Fotohandys waren noch nicht dermaßen verbreitet. Nun ja, wegen dem hässlich-kalten Berliner Winter hatte ich für ein Semester in Barcelona beworben. Es war meine politisch aktive Phase und zwischen dem EU-Gipfel in Göteburg und dem G8 in Genua lag noch eine Weltbankkonferenz in Barcelona.
Im Herbst kehrte ich schliesslich nach Barcelona zurück und war fest entschlossen, mich an der Vorbereitung für die im Frühjahr folgenden Proteste gegen den EU-Gipfel zu beteiligen. Ich war an einer provaten Uni eingeschrieben, an der alle katalanisch sprachen- außer mir. Für die Kurse musste man sich über das Intranet anmelden, und weil das alles so bürokratisch war scheiterte ich daran und erhielt abschließend ein Zeugnis mit dem Vermerk “ no presentada“. Das kam der Realität ziemlich nahe. Die privatisierte Uni war sowohl hinsichtlich als auch Lehre völlig inakzeptabel, so dass ich mein Programm auf einen Katalanisch-Kurs und Internet- und Bibliotheksnutzung reduzierte.

Casa Okupada, Casa Encantada
lautet ein geflügeltes Wort der Squatter-Scene. Jedenfalls wohnte ich auf dem feuchten Dachboden eines selbigen. Meine Mitbewohner interessierten sich in erster Linie für Selbstversorgungsökonomie und in zweiter Linie für Umweltthemen allgemein. Ich fand das schrecklich uncool, meine Castorphase hatte ich hinter mir, Rot-Grün war an der Regierung und Bio-Läden Zeichen der Gentrification. Meine Mitbewohner kochten mindestens zweimal am Tag, waren auch ganz nett, dennoch blieb ich immer die Exotin und da das Ganze schon so ein kommuneartiges Zusammenleben war, samt selbstausbeuterischer Eigenproduktion, sehnte ich mich schnell nach der (relativen) Anonymität und Autonomie des WG-Lebens zurück…..

Montags in der Sonne

Ach war das gestern schön, frei zu haben und mich im Görli zu sonnen. Mein samstagsnächtlicher Wodkarausch ging nahtlos in einen sonntäglicher Kaufrausch auf dem Treptower Flohmarkt über, bei dem ich nicht nur ein Prollo-Mountainbike sondern auch ein paar schicke Sneakers erstand und bin nun auf dem Weg so trendy wie ein It-Girl zu werden, wenn ich Glamour richtig verstanden habe.
Da ich leider beim Vogue-Modeltest keine der Voraussetzungen (abgesehen von der Schuhgröße- yeah!) erfülle muss ich heute leider noch meinem völlig unglamourösen Nebenjob nachgehen und in meinem Job-Mail-Account wartet bereits eine Email mit dem vielsagenden Titel „Beschwerde“ darauf, von mir gelesen zu werden…

Böser Montag

alkoholOb ich den Feierabend noch erleben werde? Ich gehe nie wieder Montags arbeiten. Aus Selbstmitleid und aufgrund meiner arbeitsbedingten desolaten physich-psychischen Verfassung habe ich grade einen Burn-Out-Test im Internet durchgeführt. Obwohl ich mir alle Mühe gegeben hatte diesem Test mitzuteilen >meine Arbeit macht mich kaputt< (z.B. Bereits an meine Arbeit zu denken macht mich müde: immer. Ich mache zynische Bemerkungen über Kunden: ständig). Umso wütender machte mich dann das Ergebnis, dass mein ganzes Lohnarbeitsleid verharmlost: Sie waren immer motiviert, verlässlich und ehrgeizig (falsch!), Sie hatten Erfolg und haben ihn noch immer ( Hä?). Dies wiegt die Belastungen und Frustrationen auf, die Sie in Kauf nehmen müssen ( blanker Hohn!).[....] Schliesslich der Tipp: Räumen Sie Hobbies, Freizeit, Genießen und Sport wieder mehr Wertigkeit in Ihrem Leben ein. Dass mach ich sowieso. Nur haben die Bezirksämter jetzt die Kampagne Nüchtern betrachtet initiiert, die einem zu einer Art Fastenmonat (ein Monat ohne Alk) motivieren soll: „Wir wollen erreichen, dass junge Menschen wie auch die „normal“ trinkende Bevölkerung sich einmal selbstkritisch mit ihren Trinkgewohnheiten auseinandersetzt und für das nicht unerhebliche Gefährdungspotential dieses Suchtstoffs sensibilisiert wird.“Gehör ich zu den jungen Menschen oder schon zu den normal trinkenden? Auf der Seite kann man sich einen Flyer mit motivierenden Sprüche („So langsam attestiert Ihnen Ihr Umfeld Charakterstärke…“) herunterladen. Der Pfad der Abstinenz führt über Zahnarztpraxen und Wohlfahrtverbänden zum Ziel.Motto:“0,0 Promille- das gönn ich mir“.P.S.: Ein Klick auf das Bildchen führt zur Webseite der BzgA mit vielen Infos und Spielereien.

Wochenende

nosoapEs ist Wochenende und ich mal wieder arbeiten, was trotz des schönen Wetters ganz okay ist, da meine Eltern zu Besuch sind und Arbeiten eine gute Ausrede ist, nichts mit ihnen unternehmen zu müssen. Außerdem ist es wesentlich angenehmer, sich mit Anrufern auseinander zu setzen, die mich beschimpfen als mich zum 100sten Mal den bohrenden Fragen meiner Mutter hinsichtlich meiner Karriere- und Familienplanung stellen zu müssen….
So kann ich wenigsten in Ruhe surfen, Comics im Internet lesen und nebenbei Geld verdienen. Wobei ich zugeben muss, dass Elternbesuche meistens auch entlohnt werden, jedoch meistens mit einem Pauschallohn, unabhängig von zeitlichen und emotionalen Aufwand und komnpensatorischem Alkoholkosum (naja, bis auf den zeitlichen Aufwand gilt dies auch für meine Lohnarbeit- what a fuck).
Samstag abend war ich bei den lokalen Boxmeisterschaften. Den „Höhepunkt“ des Abends bildete ein ziemlich rüder Schlagabtausch zweier jugendlicher Boxer, der schliesslich dazu führte, dass der Boxer des Polizeisportsvereins ausgezählt wurde, woraufhin ein erboster Zuschauer blitzschnell in den Ring sprang und auf den Ringrichter losgehen wollte. Weitere Zuschauer stürmten den Ring, schließlich auch das Kampfgericht und auch auf der Tribüne waren war zumindest der männliche Part der erregten Zuschauer auf dem Sprung Richtung Ring. Die Ordner, die sich zuvor mächtig engagiert hatten, mich davon abzuhalten, jemandem im Innenraum-Zuschauerbereich Hallo-Zusagen, glänzten durch Passivität. Ich überlegte, ob ich angesichts der drohenden Massenschlägerei mal den Ausgang aufsuchen sollte, doch irgendwann, nach einem weiteren Handgemenge, wurde der Mann schliesslich rausgeschafft; später tauchten auch noch ein paar träge Cops auf.
Den späteren Abend vebrachte ich mangels besserer Alternative mal wieder auf eine dieser Friedrichshainer Häuserparties. Trotz der streckenweise indiskutablen Beschallung verblieb ich dort eine ganze Weile. Und schon wegen des unglaublich guten Gefühls, im Ultra-Spätsommer nachts mit kurzen Hosen herumlaufen zu können hatte es sich gelohnt.




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